Keynote an den Österreichischen Statistiktagen 2026 in Wien: Offenlegungsszenarien, Angreiferkosten und agentische KI
Am 9. September 2026 hielt Matthias Templ (FHNW, SwissAnon) die Keynote an den Österreichischen Statistiktagen 2026 der Österreichischen Statistischen Gesellschaft, zu Gast bei Statistik Austria in Wien. Der Vortrag Offenlegungsszenarien, Angreiferkosten und agentische KI eröffnete die Session 3 «Innovative Methoden in der Amtlichen Statistik».
Der Saal war voll, und im Anschluss entstand eine angeregte Diskussion.
Das Argument des Vortrags hatte drei Schritte. Erstens ist Offenlegungsrisiko keine Eigenschaft eines Datensatzes, sondern eines Szenarios: wer der Angreifer ist, was er schon weiss und welche Quellen er verknüpfen kann. Zweitens hat jedes Szenario einen impliziten Preis. Vieles, was in der Praxis als anonym gilt, beruht auf der Annahme, dass eine Re-Identifikation mehr Aufwand kostet, als jemand betreiben würde. Drittens ist dieser Preis eingebrochen. In unserer Studie mit simulierten Bewegungsspuren von Freiwilligen, die eingewilligt hatten, benannte ein Team von KI-Agenten allein über öffentliche Quellen 18 der 25 identifizierbaren Personen, für rund 2.24 Dollar und 17 Minuten pro Person.
Dazu kam die Messseite: wie klassische Anonymisierung und synthetische Daten eine Freigabe auf der Risiko-Nutzen-Karte verschieben, warum kein Verfahren zugleich sicher und nützlich ist und warum die Wahl des Punkts auf dieser Karte eine Governance-Entscheidung ist, keine statistische.
Herzlichen Dank an Alexander Kowarik (Statistik Austria) für die Organisation der Session und die Einladung zur Keynote.
- Folien: swissanon.com/statistiktage2026
- Paper: Agentic AI-Powered Re-identification von Oscar Thees, Roman Müller und Matthias Templ (PSD 2026, Springer LNCS)