5. Zürcher Datenschutztagung · Paulus Akademie Zürich · 24. September 2026
Pseudonymisierung, Anonymisierung und synthetische Daten.
Was funktioniert bei KI wirklich?
Prof. Dr. Matthias Templ
FHNW School of Business, Institute for Competitiveness and Communication, Olten
Leiter Competence Center «Data Quality und Anonymization» · SwissAnon – Swiss Data Anonymization Center
24. September 2026 · 11:35 Uhr · KI in der öffentlichen Verwaltung. Chancen nutzen, Daten schützen.
Vorab ein Dank
Der KI-Angreifer ist Teamarbeit
Oscar Thees
FHNW, Olten · Erstautor der Studie
Roman Müller
FHNW, Olten · Erstautor der Studie
Den Angreifer mit agentischer KI haben wir gemeinsam
gebaut und getestet: ein Team von KI-Agenten, das Bewegungsspuren nur mit
öffentlichen Quellen einem Namen zuordnet. Oscar Thees und Roman Müller sind
die Erstautoren der Studie, zu gleichen Teilen.
Was Sie heute über KI als Angreifer sehen, ist
unsere gemeinsame Forschung. Herzlichen Dank, Oscar und Roman.
Thees, Müller & Templ (2026): Agentic AI-powered re-identification.
Privacy in Statistical Databases, Springer LNCS · arXiv:2606.27936 · Thees und
Müller mit gleichem Beitrag · gefördert vom SNF, Projekt 211751
Zum Einstieg
Sie haben es vielleicht gelesen
17minpro Person, unbeaufsichtigt
2.24$pro Person, Rechenkosten
18von 43Bewegungsspuren einem Namen zugeordnet
NZZ am Sonntag
· 30. August 2026
«Wie ein Schweizer Forscher in ein paar Tagen die
Basis für ein mächtiges Überwachungsinstrument schuf»
Die Studie dahinter
Oscar Thees · Roman Müller ·
Matthias Templ
FHNW, SwissAnon – gemeinsame Arbeit, gefördert
vom Schweizerischen Nationalfonds. Publiziert 2026 in Privacy in Statistical
Databases.
In 35 Minuten wissen Sie, was hinter
diesen Zahlen steckt – und was sie für die drei Begriffe im
Titel bedeuten.
Gioia da Silva, NZZ am Sonntag, 30. August 2026 · Thees, Müller
& Templ (2026): Agentic AI-powered re-identification. Privacy in Statistical Databases,
Springer LNCS · arXiv:2606.27936
Teil 1
Drei Begriffe, ein Massstab.
Was pseudonymisiert, anonymisiert und synthetisch versprechen – und woran alle drei hängen.
Drei Begriffe
Was pseudonymisiert, anonymisiert und synthetisch versprechen
Pseudonymisiert
Name und Adresse durch einen Code ersetzt. Der Schlüssel zum Code existiert
– irgendwo.
Auch ohne Schlüssel bleiben Alter,
Wohnort, Beruf, Bewegungen. Und die sind verknüpfbar.
Personendaten
Anonymisiert
Personenbezug «nachträglich dauerhaft beseitigt».
Keine Personendaten, «wenn die
Reidentifizierung nicht oder nur mit einem unverhältnismässigen
Aufwand möglich ist».
keine Personendaten – unter einer Bedingung
Synthetisch
Jede Zeile ist erfunden. Die Zusammenhänge zwischen den Merkmalen sind es
nicht.
Ob anonym, entscheidet die Messung –
nicht das Etikett.
kein Rechtsbegriff
Alle drei hängen an derselben
Frage: Was kostet die Re-Identifizierung?
Ein eindeutiger Treffer. Das Einkommen ist offengelegt.
Häufigkeit 18
Kein eindeutiger Treffer: 18 Personen teilen
diese Kombination.
Nach Templ (2017): Statistical Disclosure Control for Microdata,
Springer, Kap. 3
Der Klassiker
20 Dollar für ein Wählerverzeichnis
Massachusetts gab in den 1990er-Jahren Krankenversicherungsdaten der
öffentlich Bediensteten zu Forschungszwecken frei –
ohne Namen und Adressen.
Latanya Sweeney kaufte für rund
20 $ das Wählerverzeichnis von Cambridge.
Gemeinsame Merkmale: Postleitzahl,
Geburtsdatum, Geschlecht. Damit fand sie die Krankenakte des
amtierenden Gouverneurs – und schickte sie ihm zu.
William Weld, 1991–1997 Gouverneur von Massachusetts – der Patient in Sweeneys Beispiel.
Und in der Bevölkerung?
Postleitzahl, Geburtsdatum und Geschlecht machen einen Grossteil der
US-Bevölkerung eindeutig.
Sweeney (2000) rechnet 87 %, eine Nachrechnung
auf Zensusdaten (Golle 2006) 61 bis 63 %.
Daten ohne Namen sind
noch keine anonymen Daten.
Das Wählerverzeichnis von 1997 heisst heute Zefix, Telefonbuch, LinkedIn, Open Data. Und die Datei von Massachusetts hiesse heute: pseudonymisiert.
Sweeney (2000): Simple demographics often identify people uniquely ·
Golle (2006), WPES · Sweeney (2002): k-Anonymity
Die Taxonomie
Vier Arten der Offenlegung
Person
Alter
Geschlecht
Region
Lernstörung
Prüfungsangst
P1
10–19
weiblich
Huntington
nein
9
P5
30–39
männlich
Edmond
ja
5
P6
30–39
männlich
Alkol
ja
3
P7
50–59
weiblich
Jesse
nein
2
P8
50–59
weiblich
Jesse
ja
3
Identität
«Sally, 18, weiblich, hat
teilgenommen.»
Genau eine Zeile passt – alle ihre Antworten sind bekannt.
Attribut
«Tom, 34, männlich.»
P5 oder P6 – welche Zeile er ist, bleibt unbestimmt. Beide tragen
denselben Wert, damit ist sein Merkmal offengelegt.
Mitgliedschaft
«Ist Nicole überhaupt in der
Erhebung?»
Sensibel, wenn schon die Teilnahme etwas verrät, etwa bei einer
Klinikstichprobe. Aus drei Zeilen folgt ihre Teilnahme erst, wenn in der
Bevölkerung niemand sonst passt.
Inferenz
«Alter und Geschlecht sagen
Prüfungsangst voraus.»
Das Modell trifft Aussagen über Personen, die
gar nicht in den Daten sind.
Nach Domingo-Ferrer & Torra (2008) und der Illustration aus
Templ et al., Anonymization in Psychology
Wer ist eigentlich der Angreifer?
Ohne Szenario keine Risikozahl
Der neugierige Nachbar
Kennt eine Person und ihre Merkmale. Sucht deren Zeile.
Wenig Wissen, hohe Motivation.
Das typische Szenario für offene Daten.
Das Archiv
Verfügt über eine ganze externe Datei und sucht
systematisch nach Treffern.
Viel Wissen, viele Ziele.
Das Szenario für Register und kommerzielle Datensätze.
Die Differenz
Stellt einem Abfragesystem zwei fast identische Fragen und liest die
Antwort aus der Differenz.
Das Szenario für Tabellen und
Auswertungsdienste.
Der KI-Agent
Kennt niemanden – aber alles, was über jeden im Netz steht:
Register, Open Data, Broker-Spuren. Und verknüpft es selbst.
Wissen des Archivs,
Ausdauer des Nachbarn, zwei Dollar pro Person. Dazu Teil 4.
Jede Risikozahl ist eine bedingte Grösse: bedingt auf das Wissen, das man dem Angreifer unterstellt. Ohne diese Bedingung steht in keiner DSFA eine prüfbare Zahl.
Die naheliegende Antwort – und ihre Lücke
Wenn k-Anonymität nicht genügt
Alter
Geschlecht
PLZ
Diagnose
30–39
männlich
405**
Grippe
30–39
männlich
405**
Bruch
30–39
männlich
405**
Grippe
50–59
weiblich
412**
Krebs
50–59
weiblich
412**
Krebs
50–59
weiblich
412**
Krebs
Jede Kombination dreimal: k = 3 ist erfüllt.
k-Anonymität: jede
Äquivalenzklasse mindestens k Zeilen. Wirksam gegen
Identitätsoffenlegung.
Die Lücke · Homogenität
Wer weiss, dass eine 55-jährige Frau in der
unteren Klasse steht, kennt die Diagnose.
Setzt
Teilnahmewissen voraus: bei einer Vollerhebung geschenkt, bei einer
Stichprobe nicht. l-Diversität verlangt Vielfalt im sensiblen
Merkmal.
Und in der Verwaltung?
Register und Fachanwendungen sind Vollerhebungen. Die Teilnahme ist bekannt – diese Lücke steht immer offen. Deshalb genügt k allein nie: das sensible Merkmal braucht Vielfalt in jeder Gruppe.
Sweeney (2002) · Machanavajjhala et al. (2007) für l-Diversität
Die stille Annahme
Jedes Szenario hat einen Preis
«So viel Aufwand betreibt
doch niemand.»
Auf diesem Satz ruht
jede Datenfreigabe. Das Recht nennt ihn beim Namen: Aufwand. Und er ist
eine ökonomische Behauptung, keine mathematische.
DSB Kanton Zürich
Keine Personendaten, wenn die
Reidentifizierung «nicht oder nur mit einem
unverhältnismässigen Aufwand» möglich ist.
DSGVO, Erwägungsgrund 26
Massgeblich sind alle Mittel, die
nach allgemeinem Ermessen wahrscheinlich genutzt werden –
Kosten und Zeitaufwand eingerechnet.
EuGH, EDPS/SRB, 4. September 2025
Pseudonymisierte Daten sind für den
Empfänger keine Personendaten, wenn er die Person mit
vernünftigerweise einsetzbaren Mitteln nicht identifizieren
kann.
Alle drei binden den Schutz an Aufwand.
Gemessen hat ihn bisher niemand. Wir kommen darauf zurück –
in Teil 4, mit Zahlen.
Wenn man sie misst. Eine Karte, sechs Werkzeuge, ein Vorher-Nachher.
Der Klassiker der Abwägung
Die Risiko-Nutzen-Karte
Vier Felder
Oben rechts: brauchbar, aber zu riskant.
Unten links: sicher, aber wertlos.
Oben links: das Schlimmste aus beidem. Unten rechts: das Ziel.
Anonymisierung ist eine
Bewegung auf dieser Karte: vom Original nach links unten – so weit wie
nötig, so wenig wie möglich.
Duncan, G. T., Keller-McNulty, S. A., Stokes, S. L. (2001):
Disclosure risk vs data utility – the R-U confidentiality map. NISS Technical Report 121
Der klassische Weg
Der Werkzeugkasten
Vergröbern
Alter 34 wird zu 30–39, Gemeinde wird
zu Kanton. Kein Wert wird falsch – nur ungenauer.
Unterdrücken
Einzelne Zellen werden gelöscht, gezielt
dort, wo das Risiko sitzt.
Mikroaggregation
Ähnliche Zeilen werden zu Gruppen
zusammengefasst und durch ihren Mittelwert ersetzt.
Rauschen
Auf jeden Wert kommt Zufall. Der Mittelwert bleibt,
die Streuung wächst, der Einzelwert verschwindet. Ohne Korrektur werden
Zusammenhänge zu schwach.
Vertauschen (Swapping)
Werte werden zwischen Zeilen getauscht –
gezielt dort, wo das Risiko sitzt. Für Zensusdaten schlugen Meindl und Templ
2021/22 Targeted Record Swapping vor.
Post-Randomisierung (PRAM)
Kategorien werden innerhalb einer Zeile nach
einer offengelegten Übergangsmatrix umkodiert.
Kein Wert ist mehr beweisbar echt.
Ziel: maximaler Nutzen unter der Nebenbedingung,
dass das Risiko jeder einzelnen Person unter einer Schwelle bleibt. Welche
Schwelle das ist, legt das Szenario fest.
Targeted Record Swapping: Weltbank-Projekte 2021 und 2022, Bukarest
· R-Paket sdcMicro
(Templ, Kowarik & Meindl 2015, Journal of Statistical Software 67(4))
Was das konkret bringt
Vorher, nachher: Anonymisierung ist messbar
510Personen, auf vier Merkmalen eindeutig – vorher
Drei Schritte: vergröbern,
unterdrücken, mikroaggregieren. Nach jedem Schritt werden Risiko und Nutzen
neu berechnet.
Nachvollziehbar, wiederholbar,
prüfbar – der Satz, der in eine DSFA gehört.
Beispieldatensatz: synthetischer EU-SILC aus dem R-Paket laeken, 14 827
Personen in 6 000 Haushalten · gerechnet mit sdcMicro 5.8 · Kennzahl: erwartete
Zahl korrekt zugeordneter Personen
Muss man denn immer anonymisieren?
Fünf Wege, mit Personendaten umzugehen
1 · Public Use
Stark anonymisiert, für alle.
2 · Scientific Use
Weniger vergröbert – mit Vertrag oder Verfügung und Auflagen.
3 · Sicherer Raum
Vor Ort, unter Aufsicht.
4 · Fernzugriff
Rechnen in einer gesicherten Umgebung,
mit Outputkontrolle.
5 · Rechnen ohne Einblick
Privacy-Preserving Computing. Die Auswertung geht
zu den Daten. Niemand sieht eine Zeile.
1 →
5: mehr Information in den Daten –
weniger Augen darauf. Auf Stufe 5 keine.
Geschützt: die Eingabe.
Nicht die Ausgabe.
Quer dazu: synthetische Daten. Keine Stufe,
sondern ein Werkzeug auf jeder.
Als Testdatei für alle · zum Vorbereiten der Auswertung, die dann auf Stufe 4 läuft.
Teil 3
Synthetische Daten.
Was sich ändert – und was nicht.
Der andere Weg
Synthetische Daten
1993
Rubin schlägt synthetische Daten vor –
im Journal of Official Statistics.
2014–2017
synthpop und simPop für Erhebungs- und
Registerdaten (CRAN, JSS).
seit 2017
Neuronale Generatoren (GAN, VAE), seit 2023
Sprachmodelle. In Vergleichen liefern die klassischen Verfahren meist die
besseren Ergebnisse.
Wozu in der Verwaltung
Testdaten für Entwicklung und
Ausschreibung · Schulung · KI-Pilot, Sandbox · Vorbereitung einer
Bekanntgabe an die Forschung.
Synthese verschiebt Information. Sie erschafft keine.
Das Inferenzrisiko verschwindet nicht. Ein Modell, das nur synthetische Daten kennt, sagt Merkmale echter Personen voraus.
Plausibel ist nicht automatisch richtig.
Logikprüfung: Haushalte ohne Erwachsene
Kennzahl NoAdultHH,
je Kennzahl skaliert: 1.00 = so sauber wie die Originaldaten.
Nur simPop erreicht die Logik der
Originaldaten. Im Vergleich von 2024, hochgerechnet auf 3,7 Mio. Haushalte:
synthpop143’276 Haushalte nur aus
Kindern, arf1’123’494 –
wahr sind null. Für Testdaten ein Ausschlussgrund.
Balken: NoAdultHH aus Thees, Müller & Templ (2026), Abb. 1 ·
Absolutzahlen aus dem Generatorenvergleich Thees, Novák & Templ (2024), PSD, LNCS,
S. 194–209 – anderer Aufbau, hochgerechnet auf 3,7 Mio. Haushalte
Gemessen, nicht behauptet
Kein Verfahren ist sicher und nützlich zugleich
Verfahren
Nutzen Mittel aus 5 Massen
Risiko Mittel aus 5 Massen
Mitgliedschaft ist die Person drin?
Inferenz RAPID
Logik Haushalte ohne Erwachsene
Originaldaten
1.00
1.00
1.00
0.95
1.00
synthpop
0.98
0.53
1.00
0.92
0.97
simPop
0.78
0.20
0.03
0.64
1.00
arf
0.33
0.21
0.04
0.67
0.52
fünf weitere Generatoren
0.51–0.81
0.18–0.33
0.18–0.77
0.51–0.78
0.41–0.70
Je Kennzahl auf 0 bis 1 skaliert; Nutzen- und Risikomittel auf die Originaldaten
normiert: 1.00 heisst so nützlich bzw. so riskant wie die Originaldaten. Acht
Generatoren, je zehn Replikate; Mittelwerte eigene Rechnung aus den zehn Kennzahlen.
Die ganze Tabelle: Reserve 2.
synthpop
Bester Nutzen – und ein Mitgliedschaftsrisiko
auf dem Niveau der Originaldaten. Wer drin war, ist erkennbar.
Inferenz
Bleibt bei jedem Generator hoch
(0.51 bis 0.92). Das Inferenzrisiko überlebt jede Synthese.
Die Wahl
Wo man zwischen Nutzen und Risiko steht, ist eine
Governance-Entscheidung – keine statistische.
Thees, Müller & Templ (2026), Beyond the trade-off curve,
Journal of Official Statistics, Abb. 1 · EU-SILC-Daten, n = 13 513 ·
kein Generator-Benchmark: die Verfahren wurden nicht ausgiebig getunt
Teil 4
KI als Angreifer.
«So viel Aufwand betreibt doch niemand.»
– die stille Annahme vom Anfang, jetzt mit Zahlen.
Die Vorgeschichte
Der Flaschenhals war nie die Eindeutigkeit
Neu ist nicht das Risiko.
Neu ist, wer die Arbeit macht.
Eindeutigkeit: seit über
zehn Jahren belegt. · Was schützte: der Aufwand
– geschulte Handarbeit, pro Person.
Krumm (2007) · de Montjoye et al. (2013), Sci. Rep. 3:1376 ·
Farzanehfar et al. (2021), Patterns 2(3)
Woher die Spur kommt
Datenbroker: «anonymisiert» heisst hier nur ohne Namen
Rund 40 000 Apps geben Standortdaten weiter
– Wetter, Dating, Spiele, Navigation.
Ein einziger Broker-Datensatz: 12
Millionen Telefone, über 50 Milliarden
Standortpings.
«Anonymisiert» heisst beim Broker: Name und
Gerätekennung entfernt, die Spur bleibt in voller Auflösung
– pseudonymisiert.
Dezember 2024: Die US-Handelsaufsicht FTC geht gegen zwei
Broker vor – Verkauf sensibler Standortdaten.
Eine Kostprobe
Ein Broker bot unserem Team die Spuren von
800 000 Geräten an – gratis, in der
Hoffnung auf einen Kauf.
In der Studie nur zur
Kalibrierung der simulierten Spuren verwendet – Takt, Genauigkeit, Lücken.
Niemand aus diesem Datensatz wurde re-identifiziert.
Sie verwalten keine Broker-Daten.
Aber Ihre Register sind die andere Hälfte des Angriffs.
Meineck & Dachwitz (2024), netzpolitik.org und BR · Thompson &
Warzel (2019), New York Times · FTC, Pressemitteilungen vom 3. Dezember 2024 (Gravy
Analytics, Mobilewalla) · Kostprobe: NZZ am Sonntag, 30. August 2026
Das Experiment · Thees, Müller & Templ (2026)
43 Bewegungsprofile, ein Agententeam, nur öffentliche Quellen
43 Freiwillige in der Schweiz, mit ausdrücklicher
Einwilligung.
GPS-Spuren über drei Wochen, simuliert um die echten
Wohn- und Arbeitsadressen. Freizeitstopps sind erfundenes Rauschen.
Der Angreifer erhält eine Gerätespur –
so, wie man sie bei einem Datenbroker kauft.
Erlaubt sind nur frei zugängliche Webquellen.
Keine Fake-Profile, kein Social Engineering, keine Täuschung.
Als Treffer zählt nur ein einziger, richtiger Name –
von Hand gegen die Angaben aus der Einwilligung geprüft. Nur der Haushalt
zählt nicht.
Das Raster verdichtet die Pings zuerst grob
(rund 111 × 76 m), dann fein (rund 11 × 7,6 m) – und
trifft damit das Gebäude.
Der Schlüssel ist der vierte Schritt: das Gebäude- und Wohnungsregister entscheidet, ob eine Adresse überhaupt auf eine Person führt. Dazu Telefonbuch, Handelsregister, Firmenwebsites, LinkedIn. Öffentliche Register sind Teil des Szenarios.
Thees, Müller & Templ (2026), Abb. 1. Prompts, Code, Agenten-Skills
und Daten werden bewusst nicht veröffentlicht.
Das Ergebnis
18 von 25 namentlich identifiziert
Name genannt
nur Haushalt
kein Kandidat
Summe
tatsächlich identifizierbar
18
2
5
25
nur Haushalt identifizierbar
0
2
0
2
nicht identifizierbar
1
1
14
16
Summe
19
5
19
43
Zeilen: Wahrheit. Spalten: Urteil der Pipeline.
72%18 von 25 – der öffentlich auffindbaren Personen
41.9%18 von 43 – aller Spuren
94.7%Präzision: 19 Namen genannt, 18 richtig
87.5%korrekt abgebrochen, wenn nichts zu finden war
Was den Erfolg treibt: ein Eintrag im
öffentlichen Einwohnerverzeichnis, ein
Einfamilienhaus, ein nachprüfbarer Arbeitsort.
Thees, Müller & Templ (2026), Tab. 1
Die Antwort auf die Frage von Folie 11
Was kostet ein Angriff heute?
2.24$pro Person, zu Listenpreisen
17minunbeaufsichtigte Rechenzeit
58 500erzeugte Tokens
0beteiligte Menschen
«Nur mit
unverhältnismässigem Aufwand möglich» –
Sie entscheiden.
Und in grossem Massstab?
Alle 43 Läufe an einem
Tag, vierfach parallel. Hochgerechnet: 10 000 Ziele für rund
22 400 $ – eigene Hochrechnung. Mit
offenen Modellen auf eigener Hardware sinkt der Preis weiter: ohne
Anbieterprotokoll, ohne Sicherheitsfilter.
Ehrlich bleiben
Es wurde kein Vergleich mit einem
menschlichen Ermittler gemessen. Der Vorteil ist nicht das Tempo im
Einzelfall, sondern: billig, parallel, ohne Menschen.
Thees, Müller & Templ (2026), Abschnitt 4 · Staab et al.
(2024) messen für LLM-Inferenz rund 100-mal tiefere Kosten und 240-mal höheres
Tempo als menschliche Ermittler
Einordnung
Was das Experiment zeigt – und was nicht
Was gilt
Unabhängige Einschätzung in der NZZ (ETH Zürich):
glaubwürdig – und nicht überraschend. «Wir wissen seit
über zehn Jahren, dass man Menschen anhand ihrer Standortdaten identifizieren
kann.»
Eine Machbarkeitsstudie, keine
Bevölkerungsschätzung. Für die Frage, ob eine Re-Identifizierung mit
vernünftigem Aufwand möglich ist, genügt der Nachweis:
billig, unbeaufsichtigt, parallel.
Was offen bleibt
n = 43, nur Schweiz,
simulierte Spuren.
Jeder Fall einmal gelaufen.
Kein Vergleich mit einem menschlichen Ermittler.
Thees, Müller & Templ (2026), Abschnitt 5, Limitations ·
Einschätzung Mark Vero, ETH Zürich, in: NZZ am Sonntag, 30. August 2026
Dieselbe Technik, zwei Rollen
Agentische KI sitzt inzwischen an beiden Enden des Tisches
Als Angreifer
Sucht selbstständig im Web, kombiniert Register, soziale Netzwerke und
Verzeichnisse, prüft die Evidenz und benennt eine Person.
Ohne Aufsicht, viele Ziele parallel. Das Fachwissen steckt im
Modell und im Kontext, den man ihm mitgibt.
Als Verteidiger
Schlägt Anonymisierungsstrategien vor, führt sie aus, misst den
Informationsverlust unter der k-Schranke und bessert nach.
Sieht nie eine Datenzeile – nur Variablennamen, Typen,
aggregierte Risikozahlen. Unterschreiben muss ein Mensch.
Beide Rollen laufen auf
demselben Modell. Getrennt werden sie durch das,
was es sehen darf.
Die andere Seite des Tisches
KI als Verteidiger
~18sbis zur 3-Anonymität auf allen 4 580 Zeilen des
Testdatensatzes
Weniger als 1 % der
Schlüsselzellen unterdrückt, die besetzten Ausprägungen gehen um
weniger als 3 % zurück. Der Mensch prüft den Vorschlag und
unterschreibt.
Die ehrliche Grenze
Lokales 8-Mrd.-Modell: Variablen
einordnen – ja, 15 von 15. Anonymisieren – nein, 0 von 30.
Gescheitert ist die Ausführung:
Die Schleife nimmt nur gültige Werkzeugaufrufe an.
Templ (2026): sdcMicro – AI-assisted statistical disclosure control
of microdata in R. SoftwareX, in Begutachtung · sdcMicro 5.8.2 auf CRAN
Die Titelfrage
Was funktioniert bei KI wirklich? Antwort in fünf Zeilen
Begriff
Was funktioniert – und was nicht
Pseudonymisierung
Schützt vor dem zufälligen Blick, nicht vor dem Angreifer mit Registern und
Agent. Bleibt Personendatenbearbeitung – auch im Prompt.
Anonymisierung
Funktioniert, wenn sie gemessen wird: Szenario, Kennzahl vorher und nachher.
Nicht, wenn sie behauptet wird.
Synthetische Daten
Sehr gut für Test, Entwicklung, Schulung, Sandbox. Nicht automatisch anonym:
Mitgliedschafts- und Inferenzrisiko messen.
KI-Modelle selbst
Nicht automatisch anonym, wenn mit Personendaten trainiert (EDPB, Opinion
28/2024). Dieselbe Frage, dieselben Messungen.
KI als Anonymisierungshelfer
Ja – wenn das Modell nur das Codebuch sieht und ein Mensch unterschreibt.
Funktioniert heisst:
gemessen. Nicht: behauptet.
EDPB, Opinion 28/2024 vom 17. Dezember 2024 · DSB Kanton Zürich,
Merkblatt «Vorgehen beim Einsatz von KI bei öffentlichen Organen» (2025),
Ziff. 1: Personendaten in Prompts, Dokumenten und Trainingsdaten
Zum Schluss
Fünf Sätze – und was daraus folgt
Risiko ist keine Eigenschaft eines Datensatzes, sondern eines Szenarios.
DSFA: mit dem Angreifer rechnen, der Register,
Open Data und einen KI-Agenten hat.
Workshop DSFA
Ob Daten anonym sind, entscheidet der Aufwand – heute
2 Dollar und 17 Minuten.
Standort- und Bewegungsdaten nie als anonym
behandeln – auch nicht, wenn sie so geliefert werden.
Anonymisierung funktioniert, wenn man sie misst. Nicht, wenn man sie
behauptet.
Bekanntgabe an die Forschung: «anonymisiert»
heisst messbar anonymisiert – mit Szenario und Kennzahl.
Synthetische Daten verschieben das Risiko. Sie beseitigen es nicht.
Sandbox, Test, Pilotierung: Risiko messen, bevor die Datei das Haus verlässt.
Workshop Sandbox
Dieselbe KI, die angreift, kann verteidigen – wenn sie die Daten nie
sieht und ein Mensch unterschreibt.
KI-Werkzeuge: keine Personendaten im Prompt.
Beim Anonymisieren sieht die KI nur das Codebuch.
Workshop KI ohne Datenleck
DSB Kanton Zürich, Merkblätter «Personendaten für
Forschungsvorhaben» und «Vorgehen beim Einsatz von KI bei öffentlichen
Organen» · Workshops am Nachmittag: DSFA für KI · KI-Nutzung ohne
Datenleck · Innovation-Sandbox für KI
Danke.
Fragen?
Matthias Templ · matthias.templ@fhnw.ch
FHNW School of Business (ICC), Olten · swissanon.com
Thees, Müller & Templ (2026): Agentic AI-powered re-identification.
Privacy in Statistical Databases, Springer LNCS · arXiv:2606.27936
Thees, Müller & Templ (2026): Beyond the trade-off curve.
Journal of Official Statistics, angenommen · arXiv:2510.23500
Templ (2026): sdcMicro – AI-assisted statistical disclosure control.
SoftwareX, in Begutachtung · sdcMicro auf CRAN
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Templ, M. (2026): sdcMicro – AI-assisted statistical disclosure control of
microdata in R. SoftwareX, in Begutachtung.
Software
R-Pakete auf CRAN: sdcMicro,
simPop, laeken,
riskutility.
Zum Nachlesen · 2 von 2
Recht, Aufsicht, Presse
Schweiz und Kanton Zürich
Gesetz über die Information und den Datenschutz (IDG, LS 170.4),
§ 3 Abs. 3 und 4, § 18, § 23.
Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG, SR 235.1), Art. 5 lit. a.
Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich: Lexikon «Anonymisierte
Daten» und «Personendaten», datenschutz.ch.
Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich (2025): Merkblatt «Vorgehen
beim Einsatz von KI bei öffentlichen Organen», V1.0.
Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich: Merkblatt «Personendaten
für Forschungsvorhaben».
Europa, USA, Presse
DSGVO (EU) 2016/679, Erwägungsgrund 26.
EuGH, Urteil vom 4. September 2025, C-413/23 P, EDPS/SRB.
EDPB (2024): Opinion 28/2024 on certain data protection aspects related to the
processing of personal data in the context of AI models, 17. Dezember 2024.
EDPB (2025): Guidelines 01/2025 on pseudonymisation, angenommen am
16. Januar 2025 (Konsultationsfassung).
Federal Trade Commission (2024): Pressemitteilungen zu Gravy Analytics und
Mobilewalla, 3. Dezember 2024.
da Silva, G. (2026): Wie ein Schweizer Forscher in ein paar Tagen die Basis
für ein mächtiges Überwachungsinstrument schuf. NZZ am
Sonntag, 30. August 2026.
Reserve
Fragen, die erfahrungsgemäss kommen.
Reserve 1
Sind synthetische Daten Personendaten?
Kein Rechtsbegriff,
also keine Rechtsantwort. Die technische Antwort steckt in drei der zehn Kennzahlen:
Mitgliedschaft (MIA), Nähe zu echten Zeilen (DCR), Inferenz (RAPID).
Risiko
RepU – wurden echte
Zeilen reproduziert?
TCAP – lässt sich ein
sensibles Merkmal zuordnen?
RAPID – wie viel Inferenz
erlaubt die Freigabe?
MIA – lässt sich die
Teilnahme erkennen?
DCR – wie nah liegen
synthetische an echten Zeilen?
Nutzen
pMSE – sind echt und
synthetisch unterscheidbar?
CIProx – stimmen die
Konfidenzintervalle?
Wasserstein – stimmen die
Verteilungen?
CMD – bleibt die
Korrelationsstruktur erhalten?
NoAdultHH – sind die Daten
logisch möglich?
5 × 5 = 25 Karten,
wenn man alle Paare zeigen will.
Oder ein Mittelwert – in dem die eine
kritische Schwäche verschwindet.
Thees, Müller & Templ (2026): Beyond the trade-off curve.
Journal of Official Statistics, angenommen
Reserve 2 · Zehn Kennzahlen, acht Generatoren
Erst nebeneinander sieht man es
Risiko – klein ist gut
Nutzen – gross ist gut
Generator
RepU
TCAP
RAPID
MIA
DCR
pMSE
CIProx
Wasserstein
CMD
NoAdultHH
synthpop ★
0.19
0.24
0.92
1.00
0.26
0.97
0.99
1.00
0.95
0.97
arf
0.17
0.13
0.67
0.04
0.03
0.52
0.28
0.05
0.27
0.52
MostlyAI ★
0.16
0.09
0.78
0.41
0.10
0.90
0.89
0.99
0.56
0.70
simPop ★
0.18
0.05
0.64
0.03
0.08
0.64
0.94
0.99
0.34
1.00
GRETEL
0.11
0.06
0.62
0.77
0.05
0.34
0.96
0.97
0.65
0.49
synthcity
0.07
0.07
0.51
0.25
0.01
0.34
0.63
0.96
0.19
0.41
SDV_GC
0.13
0.07
0.60
0.18
0.01
0.44
0.87
0.88
0.49
0.51
SDV_VAE ★
0.05
0.05
0.53
0.24
0.01
0.52
0.87
0.95
0.31
0.52
original ★
1.00
1.00
0.95
1.00
1.00
1.00
1.00
1.00
1.00
1.00
Je fünf Risiko- und Nutzenmasse – die Karte von vorhin kennt
nur eine Zahl pro Achse und mittelt die entscheidende Schwäche weg.
Alle Kennzahlen auf 0 bis 1 skaliert, ★ = Pareto-optimal; acht Generatoren, je zehn
Replikate, plus die Originaldaten.
synthpop
Bester Nutzen – und ein Mitgliedschaftsrisiko
auf dem Niveau der Originaldaten.
arf
Geringes Mitgliedschafts- und Distanzrisiko –
aber ein Inferenzrisiko wie alle anderen und eine Verteilungstreue, die
zusammenbricht.
RAPID
Bleibt bei jedem Generator hoch
(0,51 bis 0,92). Das Inferenzrisiko überlebt jede Synthese.
Thees, Müller & Templ (2026), Beyond the trade-off curve, Abb. 1 · EU-SILC Österreich 2013,
n = 13 513
Reserve 3 · Multivariate Risiko-Nutzen-Karte
Pareto statt Sieger
Die Front ersetzt den Sieger durch eine Auswahl.
Wo man auf ihr steht, ist eine Governance-Entscheidung –
keine statistische.
Pareto-optimal = Auswahlliste
Kein anderes Verfahren ist
gleichzeitig sicherer und nützlicher. Vier von acht
bleiben übrig.
Warum die grauen wegfallen
GRETEL etwa: simPop ist sicherer
und nützlicher zugleich. Damit ist GRETEL aus dem Rennen.
Der letzte Schritt ist der teuerste
Von synthpop zum Original steigt das
Risiko 27-mal stärker als der Nutzen.
Praktisch:
Die synthetische Datei kostet rund 2 % Nutzen und nimmt
gut die Hälfte des Risikos.
Eigene Darstellung aus den Mittelwerten der Kennzahlen in Thees,
Müller & Templ (2026), Abb. 1 – der Tabelle von Reserve 2; Steigung 27.68
aus Abb. 3. Kein Generator-Benchmark: die Verfahren wurden nicht ausgiebig getunt.
Reserve 4
Was als Nächstes billiger wird
Modelle, die zu Hause laufen
Offene Modelle auf handelsüblicher Hardware
senken den Kostenboden weiter.
Ohne Aufruf bei einem Anbieter gibt es
kein Protokoll, in dem so ein Lauf auffällt – und
keinen Zugang, den jemand sperren könnte.
Und keine Sicherheitsfilter des Anbieters.
Agenten, die Kontakt aufnehmen
Anrufe, E-Mails, gefälschte Profile.
Geolokalisierung aus Fotos, Gesichtserkennung,
Personensuchdienste.
Technisch heute möglich – in dieser Studie
bewusst nicht getan.
Das sind Skizzen, keine Messungen.
Aber die Richtung ist eindeutig: die Zahlen von vorhin sind eher eine
Obergrenze der Kosten als eine Untergrenze.
Thees, Müller & Templ (2026), S. 12
Reserve 5
Warum kommt Differential Privacy nicht vor?
Was sie leistet
Eine beweisbare Schranke: Ob eine einzelne Person in den Daten
ist oder nicht, darf das Ergebnis nur um den Faktor
eε verändern.
Damit ist sie das einzige Verfahren hier, das
ohne Annahme über den Angreifer auskommt – und deshalb
gegen die Kostenfrage immun.
Warum sie hier trotzdem fehlt
Sie beantwortet eine andere Frage: nicht «wie
riskant ist diese Datei», sondern «was kostet diese
Auswertung an Budget».
Für ganze Mikrodatensätze mit brauchbarem
ε ist sie in der Verwaltung wie in der amtlichen Statistik bis heute die
Ausnahme.
Und sie löst das Inferenzproblem nicht, sie
definiert es weg: Was aus der Population lernbar ist, gilt nicht
als Schaden.
Genau dort trennen sich Dwork und Mühlhoff – und dort
liegt das Inferenzrisiko aus Teil 3.
Und bei Umfragen? Stichprobe ist nicht Bevölkerung
Die zweite Lücke der k-Anonymität
Einmal in der Stichprobe, Gewicht 100: hundert Kandidaten in der
Bevölkerung. Gewicht 1: auch im Land einzigartig.
Die Summe der Einzelrisiken ist die erwartete Zahl
korrekt zugeordneter Personen – die Kennzahl von Folie 14.
Was das für die Praxis heisst
k-Anonymität zählt nur, was in der Datei steht. Bei Stichproben braucht das
Risiko die Bevölkerung dahinter – belastbar, wenn die Schlüsselvariablen
im Stichprobendesign vorkommen, sonst modelliert (Benedetti & Franconi 1998).
Bei Registern und Verwaltungsdaten entfällt die Frage:
Die Datei ist die Bevölkerung.
Text ist nicht Tabelle: Akten, Entscheide, Berichte
Was anders ist
Keine Schlüsselhäufigkeit, die man zählen
könnte. Die Methode ist Erkennen und Ersetzen: Namen, Orte,
Daten, Fallnummern, Berufe.
Der Kontext bleibt: «der einzige Landwirt der
Gemeinde mit einer Biogasanlage» braucht keinen Namen.
Was das Modell liest, sieht es. Keine
Firewall wie bei Tabellen – also lokal betreiben oder als
Auftragsbearbeitung regeln.
Was gleich bleibt
Das Szenario: Wer liest den Text, was
weiss er schon, was kann er verknüpfen?
Messen statt behaupten: eine Stichprobe
der Dokumente von Hand gegenprüfen, Erkennungsrate und Restrisiko berichten.
Auch ein sauber geschwärzter Text kann per Inferenz
offenlegen – die vierte Karte von Folie 7.
Methodische Hinweise – keine eigene Studie von SwissAnon zu Textdaten
Reserve 8 · Ausblick
Woran wir gerade arbeiten
Längsschnitt- und Ereignisdaten
Mobilität · Ereignisdaten ·
klinische Studien. Jede weitere Welle: eindeutiger.
Risiko über Record Linkage
Probabilistisch, bayesianisch ·
distanzbasiert. Für Längsschnitte bisher kein brauchbares Mass.
Synthetische Bevölkerung im Verkehr
SynPop-Datensatz.
Verkehrsmodelle ohne echte Wege.
Risiko bei fehlenden Werten
NA im Schlüssel passt
überall. Häufigkeit mehrdeutig → über den rekonstruierenden
Angreifer.
Optimale lokale Unterdrückung
kAnon(): heute heuristisch,
künftig exakt – über gemischt-ganzzahlige lineare Programme
(MILP).
Weiter an beidem: KI-gestützte
Angriffe · KI als Anonymisierer.
SNF BRIDGE Discovery 40B2-0-211751 (mit Murat Sariyar, BFH) ·
SBB Research Fund, mit dem Bundesamt für Statistik ·
Templ & Meindl zum Risiko bei fehlenden Werten · SwissAnon, FHNW
Reserve 9
Hängt die Pareto-Front nicht von der Skalierung ab?
Ja und nein – und der Unterschied ist
der Punkt. Die multivariate Front ist skalierungsinvariant: monotone
Transformationen je Kennzahl ändern keine Dominanzbeziehung. Skalierungsabhängig
ist erst die zusammengefasste Karte.
Skalierung
Pareto-optimal auf der zusammengefassten Karte
roh
Verfahren 3, Verfahren 4
Min-Max
Verfahren 2, Verfahren 3, Verfahren 4
z-Standardisierung
Verfahren 2, Verfahren 3
Das Paper sagt es selbst: die Dominanz wird
auf den zusammengefassten Werten ausgewertet, nicht auf den rohen Vektoren.
Deshalb gehört die gewählte Standardisierung in jeden Bericht – und
deshalb keine Risikoschwelle auf eine zusammengesetzte Achse, sondern
auf die Achse der einzelnen Kennzahl.
Thees, Müller & Templ (2026), Anhang B, Tab. 9
Reserve 10
Die Abbildung aus dem Paper
Was hier anders ist als auf Reserve 3
Gezeichnet sind Einzelreplikate,
nicht Mittelwerte, und die Achsen sind gewichtete Composites
(ω, α) statt einfacher Mittel. Die Front und das Knie fallen gleich aus.
Die Steigungen an der Front
Jede Zahl an der Front ist
ΔRisiko / ΔNutzen. Der letzte Schritt zum Original:
27.68 hier, 19.5 auf den einfachen Mitteln
von Reserve 3.
Thees, Müller & Templ (2026), Beyond the trade-off curve,
Abb. 3 · Journal of Official Statistics